Die Forschungsplattform Nullzinspolitik und Wirtschaftliche Ordnung befasst sich mit den Auswirkungen der Niedrig-, Null- und Negativzinspolitik auf Unternehmen, Finanzinstitute, Wirtschaftsordnung, Politik und Gesellschaft. Es werden – auf der Grundlage der Arbeiten von Friedrich August von Hayek – nachhaltige Lösungen für Wege aus der Niedrigzins- und Hochverschuldungsfalle erarbeitet.

Niedrigzinspolitik, spekulative Blasen & Verschuldungsfalle

Eine Welle von wandernden Blasen auf den internationalen Finanzmärkten hat die Welt in eine lang anhaltende Krise gebracht. Seit dem Jahr 2007 leiden die USA unter den Folgen der US-Hypothekenmarktkrise. In Europa erzeugt die schwelende europäische Schuldenkrise wirtschaftspolitische Ratlosigkeit. In Japan sind seit dem Platzen der japanischen Blase im Dezember 1989 – trotz Leitzinsen bei Null und Rekordverschuldung – fast drei verlorene Dekaden von Stagnation und sinkendem Wohlstand zu beobachten. Auf der ganzen Welt werden Regierungen und Zentralbanken in Reaktion auf Finanzkrisen in immer größere makroökonomische Rettungsaktionen gedrängt mit der Folge: Die Leitzinsen liegen bei Null, die Staatsverschuldungsstände hingegen auf Rekordniveau.

Strukturelle Verzerrungen, Reallohnrepression und Einkommensungleichheit

Japan zeigt, dass die hohe und weiter steigende Staatsverschuldung die Ursache für steigenden politischen Druck auf die Zentralbank ist, die Zinsen seit März 1999 bei Null zu belassen und die Zentralbankbilanz weiter auszuweiten.

Zwar können Nullzinspolitik und außergewöhnliche geldpolitische Maßnahmen (wie der Ankauf von Staatsanleihen von Krisenländern) weitere Krisen und Ansteckungseffekte auf den Finanzmärkten vermeiden helfen, doch sind einschneidende Nebeneffekte die Folge:

Es kommt zu neuen Blasen auf den Finanzmärkten, zu einem weiteren Anstieg der Staatsverschuldung, zum Verlust der Allokationsfunktion von Zinsen und Preisen sowie – auch ohne Konsumentenpreisinflation – zu Reallohnrepression und stagnierendem Wachstum.

Sich verschärfende Verteilungskonflikte tragen zu politischer Instabilität bei.

Abkehr von der Marktwirtschaft?

Die äußerst expansive Geldpolitik ist mit weitreichenden Auswirkungen auf den Finanz- und Unternehmenssektor verbunden. Das traditionelle Bankgeschäft, das auf Einlagen der Haushalte und Kreditvergabe an Unternehmen basiert, verliert an Bedeutung. Finanzinstitute und Versicherungen werden durch schrumpfende Margen in risikoreichere Anlagen gedrängt, während eine wachsende Finanzmarktaufsicht das Handeln von Finanzinstituten beschränkt. Viele Unternehmen sparen, indem sie nicht investieren. Die Produktionsstrukturen folgen zunehmend volatileren internationalen Kapitalströmen, die maßgeblich von den geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken beeinflusst werden. Dadurch geraten die strategischen Entscheidungen von Finanzinstituten und Unternehmen zunehmend in Abhängigkeit von wirtschaftspolitischen, insbesondere geldpolitischen Entscheidungsträgern. Die marktwirtschaftliche Ordnung wird untergraben.

Friedrich August von Hayek (1899-1992)

Friedrich August von Hayek war einer der führenden Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts und ein prominenter Denker des Liberalismus. Der gebürtige Österreicher bildete den wirtschaftspolitischen Gegenpol zu John Maynard Keynes und erkannte früh den Irrweg planwirtschaftlicher Wirtschaftssysteme. Er erhielt 1974 für seine Konjunkturtheorie den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Heute kann Hayek’s Konjunkturtheorie die derzeit zu beobachtenden Boom-und-Krisen-Zyklen auf Finanzmärkten als Folge einer verfehlten Geld- und Finanzpolitik erklären sowie Finanz- und Strukturkrisen prognostizieren helfen. Sowohl Hayeks Konjunkturtheorie als auch die Theorie der spontanen Ordnung bieten wichtige Rahmen für das Verständnis und die wirtschaftspolitische Lösung der aktuellen Krise.